Sind die Belastungen tatsächlich größer geworden?

Die Reaktionsmuster unseres Körpers gehen auf die Steinzeit zurück, als der menschliche Organismus auf Belastungen mit der Produktion von Adrenalin und Cortisol reagierte und damit die Kampf-oder-Flucht-Reaktion hochfuhr. Das wirkt als Reaktion auf die gegenwärtigen Belastungen in Alltag und Büro etwas unverhältnismäßig und unzeitgemäß. 

Ist der schreiende, unliebsame Chef tatsächlich schlimmer als der häufig zitierte Säbelzahntiger, gegen den sich unsere Vorfahren vor über zwei Millionen Jahren zur Wehr setzen mussten? Natürlich nicht, aber die genetisch übernommenen körperlichen Schutzfunktionen reagieren auf den brüllenden Chef mit der gleich hohen Cortisolausschüttung, die vormals im Kampf gegen Entzündungen infolge schwerer Kratzer oder Bisse eingesetzt wurde. Da unsere heutigen Belastungen selten mit körperlichen Verletzungen einhergehen, die Cortisolkonzentration aber gleich geblieben ist, greift nun das Cortisol unterschiedliche Bereiche des Organismus an und wirkt toxisch. 

Menschen beklagen bei Befragungen zu den größten Stressoren am häufigsten den hohen Zeit- und Verantwortungsdruck. 

Man fühlt sich als Opfer der Umstände und erkennt die Stellschrauben nicht, an denen man drechen könnte. Muss ich denn wirklich meine Arbeit perfekt erledigen, dabei stark sein, mich anstrengen und beeilen und auch noch versuchen, es allen recht zu machen?

Den konkreten Zugriff auf einen besseren Umgang mit Stress gelingt nur dann, wenn man sein persönliches Reaktionsmuster auf den Stressor offenlegt und dem inneren Taktgeber, endlich die Stöcke aus der Hand nimmt und einen achtsameren Umgang mit sich selbst antrainiert. Dann gelangt man trotz widriger Umstände vielleicht wieder zu mehr Gelassenheit und findet seinen Weg hinaus aus der Stressfalle.

Quelle: Frank Henschke – Psychologie!

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